Kindersoldaten
 
               

Wer ist Kindersoldat?

Kindersoldaten sind alle Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen eingezogen wurden oder werden sollen. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Funktion sie eingesetzt werden, ob als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder ob sie zu sexuellen Zwecken benutzt werden. Ausdrücklich sind es nicht nur Kinder, die aktiv an Kampfhandlungen teilgenommen haben.

 

Zahlen und Fakten

Kindersoldaten gibt es nicht nur in Afrika. Wenn wir alle afrikanischen Länder zusammenzählen, gibt es dort etwa 100.000 Kinder. Sie kämpfen in Kriegen und bewaffneten Konflikten im Kongo, Burundi, Ruanda, Uganda, dem Sudan, Äthiopien, Eritrea und Liberia. Aber den traurigen Rekord als einzelnes Land hält Myanmar, ehemals Burma. Dort sind 77.000 Kinder in der Reihen der staatlichen Armee. Kindersoldaten gibt es aber auch in Kolumbien wo etwa 14.000 Kinder in bewaffneten Verbänden der Opposition (FARC, ELN, andere) und paramilitärischen Verbänden kämpfen müssen. In Indien, Afghanistan, Philippinen und Indonesien ist eine unbekannte Anzahl von Kindern in die Kriege verwickelt.
 
Und in Deutschland?

Aber wir sehen so leicht auf die anderen Länder herab. Wir hier in Deutschland haben im 2. Weltkrieg genauso grausam wie in Afrika Kinder in den Tod geschickt.

Dies war nur möglich, weil die Kinder in der NS-Zeit bereits früh durch kriegsverherrlichende Inhalte vorbereitet wurden. Mit Liedern und Wehrsportspielen wurden schon in Schulen und der Hitlerjugend die Grundlagen für einen nahtlosen Übergang zu einem echten militärischen Einsatz gelegt.

Siehe Kapitel Vergangenheit

 

 

Wie werden Kinder zu Soldaten?

Je länger ein Krieg dauert desto größer wird die Anzahl der Kinder, die die Lücken an der Front füllen müssen. Der Wert dieser Kinder nimmt immer mehr ab. Sie werden in Situationen gezwungen, in die kein erwachsener Soldat geschickt würde.

Die meisten werden entführt - andere gehen freiwillig zu einer bewaffneten Gruppe. 2003 sagte ein 8-jähriger Junge im Osten des Kongo in die Kamera eines ZDF-Teams: „Ich muss mein Land verteidigen, weil meine Eltern es nicht mehr können. Sie sind tot.“ Sie wurden vor seinen Augen umgebracht, was ihn dazu bewog sich der staatlichen Armee anzuschließen. Kinder, die erleben, wie ihre Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, Dorfbewohner und oft nahe Angehörige umgebracht wurden, gehen zur Armee oder zu den Rebellen, um Rache zu üben.

Andere Kinder finden sich in den Bürgerkriegswirren nicht zurecht. Als Waisen müssen sie sich selbst durchschlagen und hoffen bei den bewaffneten Gruppen auf regelmäßige Mahlzeiten und etwas, das für sie ein Familienersatz sein könnte. Meist ist dies ein folgenschwerer Irrtum, denn die Lebensbedingungen bei der Armee oder den Rebellen sind völlig anders.

Die zahlreichen Mädchen unter den Kindersoldaten werden sexuell missbraucht und als sogenannte Bräute den erwachsenen Kämpfer übergeben.

Damit die Kinder tun, was von ihnen verlangt wird, werden sie häufig unter Drogen und Alkohol gesetzt und gefügig gemacht.

 

Was wird getan?

Neben Hunger und Durst erleiden die Kinder in den bewaffneten Gruppen und Armeen ein unvorstellbares Leid. Die Folgen sind für die Kinder gravierend. Sie wachsen inmitten von Krieg und Gewalt auf und stumpfen ab. Die Mehrheit der Kindersoldaten bleibt ihr Leben lang traumatisiert. Sie haben keine Schulausbildung und keine Zukunft.

Es sind jedoch DIESE Kinder, aus denen zukünftige Generationen wachsen, auf denen die Hoffnung liegt, Frieden zu schaffen in Ländern, die seit Jahrzehnten nichts anderes als Krieg und Gewalt erlebt haben. Aber wie Frieden schaffen, wenn man den Frieden gar nicht kennt und wenn man jede Hoffnung aufgegeben hat?

 
 
Und die Internationale Gemeinschaft?

Die Vereinten Nationen legten zwar 2002 in der UN-Kinderrrechtskonvention fest, dass Kinder unter 18 Jahren vor Krieg und Gewalt geschützt werden sollen. Freiwillig dürfen jedoch immer noch 15-Jährige zur Armee. Auch Deutschland hat das Zusatzprotokoll nur unter dem Vorbehalt ratifiziert, dass das Mindestalter für Freiwillige bei 17 Jahren bleibt.

Menschenrechtsorganisationen fordern eine weltweite strikte Regelung auch für Freiwillige unter 18 Jahre.

 

Der Internationalen Strafgerichtshof

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof wurde der kongolesische Rebellenführer Thomas Lubanga und der ehemalige liberianische Präsident Charles Taylor der Zwangsrekrutierung und des Kampfeinsatzes von Kindern unter 15 Jahren angeklagt. Die Wirkung solcher Prozesse ist nicht zu unterschätzen.

Kinder aus den Armeen und bewaffneten Gruppen herauszuholen, ist eine der Aufgaben, vor denen die Internationale Gemeinschaft und die Gesellschaften heute stehen. Die zweite ebenso wichtige Aufgabe ist es, diesen Kindern eine Zukunft zu bieten.

In Reha-Projekten können die Kinder einen Tagesablauf in Frieden und Zusammenhalt kennen lernen, zur Schule gehen und psychologisch betreut werden. Von diesen Projekten gibt es bis heute viel zu wenige.

 
 
Michael
In einem dieser Projekte in Uganda lebt Michael. Er wurde mit sechs Jahren von den Rebellen der Lord's Resistance Armee entführt und zum Kommandanten ausgebildet. Er führte mehrere Jahre lang Beutezüge im Norden Ugandas an, bei denen Dörfer überfallen und ausgeraubt wurden. Die Bewohner wurden getötet. In Michaels Gesichts seht ihr, welches Leid und welche Angst dieses Kind erlebt hat und noch erlebt. Der Kölner Fotograf Michael Bause begleitete Michael in den ersten Tagen und machte diese ergreifenden Fotos.
 
Was können die Kinder tun?

Für die Kinder ist das sehr schwer. Sie haben kaum eine Chance wegzulaufen. Wohin auch? Niemand will sie, weil sie als gefährlich angesehen werden. Nach Hause können sie auch nicht, weil sie meist gezwungen wurden, ihr Dorf zu überfallen und dort Menschen zu töten.

Aber diese Kinder schaffen etwas auf der Welt einmaliges: Aus Angst davor, von den Rebellen entführt zu werden, sammeln sich die Kinder im Norden von Uganda jeden Tag zu Tausenden und gehen aus den Dörfern in die Stadt Gulu.

Oft schon am frühen Nachmittag brechen sie auf, um sich vor den Rebellen in Sicherheit zu bringen. Diese Kinder helfen sich selbst. Denn in ihren Dörfern finden sie keinen Schutz. Oft gibt es zu wenig Erwachsene, um die Überfälle der Rebellen abzuwehren. In Gulu waren sie lange ein Problem. Denn die Kinder lagen auf der Straße, versuchten sich irgendwo etwas zu essen zu besorgen. Inzwischen gibt es Projekte, in denen diesen Kindern geholfen wird. Sie bekommen einen Schlafplatz und Essen, wo es nötig ist auch eine medizinische Versorgung.
 
Wolfgang Niedeckeen dichtete bei seinem Besuch dort seinen Song "Noh Gulu".
 
Weitergehende Informationen
 
DAKS-Klerinwaffen-Newsletter - erscheint monatlich
 
Globaler Bericht über die Situation von Kindersoldaten 2008
 
Jugendliche: Warum sie Soldat werden
 
Ehemalige Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland - Studie von Michaela Ludwig
 
Arbeitspapier Kindersoldaten der Bundeswehr
 
Kindersoldaten - am Beispiel der Demokratischen Republik
Kongo von Gudrun Helene Schumacher
 
Despite Promises: Child Soldiers in Burma's Armed Forces
»Kindersoldaten in den burmesischen Streitkräften«
 
Schattenbericht Kindersoldaten
 
Sexuelle Ausbeutung von Kindersoldaten
 
Weltreport Kindersoldaten 2008
 
Internationaler Gerichtshof
 
 
 
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